Wenn mich jemand fragt, wie Singapur war, dann sage ich nicht: beeindruckend, inspirierend oder visionär.
Ich sage: aufgeräumt im Kopf.
Diese Delegationsreise hatte keinen Hochglanz. Kein „Wir zeigen euch mal die Zukunft“. Wir sind hingeflogen, um zu verstehen, wie Dinge funktionieren, wenn man sie ernst meint. Wir haben besucht, zugehört, nachgefragt, manchmal auch einfach beobachtet. Und genau das war der Wert dieser Tage.
Bei ASEAN Trade & Invest ging es schnell zur Sache. Märkte, Geschwindigkeit, Verlässlichkeit. Singapur ist klein, etwa sechs Millionen Einwohner, und gleichzeitig einer der wichtigsten Handelsplätze der Welt. Über 7.000 internationale Unternehmen steuern von hier ihr Asiengeschäft. Das ist keine Zahl fürs Prospekt, das spürt man im Raum. Gespräche sind fokussiert, Erwartungen klar, Zeit wird nicht vergeudet.
Im AHK German Centre Singapore wurde mir wieder bewusst, wie stark der deutsche Mittelstand international sein kann, wenn Struktur und Haltung zusammenkommen. Mehr als 900 deutsche Unternehmen sind hier aktiv. Nicht wegen niedriger Kosten, sondern wegen Stabilität. Rechtssicherheit, klare Zuständigkeiten, Prozesse, die man versteht. Für Themen wie digitale Infrastruktur und Investitionen ist das keine Kür, das ist Pflicht.
Der Besuch bei ByteDance war erstaunlich unspektakulär, im positiven Sinn. Kein Theater, keine Selbstdarstellung. Man merkt, dass Entscheidungen dort nah an der Verantwortung getroffen werden. Tempo wirkt nicht hektisch, eher selbstverständlich. Ich habe mich dabei ertappt zu denken, wie viel Zeit wir bei uns oft darauf verwenden, Entscheidungen gut aussehen zu lassen, statt sie einfach zu treffen.
Sehr erdend waren die rechtlichen Einordnungen von Marc Theiner. Keine Paragrafenreiterei, kein Angstszenario. Klare Fakten zu Gesellschaftsformen, Haftung, Regulierung. Danach wurden die Gespräche entspannter. Nicht euphorisch, eher realistisch. Internationalisierung fühlt sich deutlich anders an, wenn man sie nüchtern betrachtet und sauber vorbereitet.
Die Lunch-Events waren bewusst klein gehalten. Zehn, zwölf Leute, kein Pitch, keine Bühne. Man merkt schnell, wer zuhören kann und wer nur senden will. In Singapur entsteht Vertrauen leise. Das hat etwas Entspannendes, gerade für Menschen, die sonst viel auf Bühnen stehen.
Abends bei Paulaner Singapore kam dann dieses unerwartete Augenzwinkern. Ein Stück Heimat, ja, aber ohne Folklore. Gespräche, die weitergingen, weil niemand auf die Uhr geschaut hat. Solche Orte sind im Ausland wichtig. Sie schaffen Nähe, ohne künstlich zu wirken.
Der Weißwurst Kongress Singapurist kein Event im klassischen Sinn. Eher ein Treffpunkt. Unternehmer, Entscheider, Partner, die sich ohne Entscheiderruck austauschen. Genau dort entstehen Verbindungen, die später tragen, auch für Themen wie Rechenzentren, Konnektivität und digitale Souveränität.
Was nehme ich aus dieser Reise mit, auch für meine Arbeit bei DI4?
Dass Singapur digitale Infrastruktur pragmatisch behandelt. Als Standortfaktor, nicht als Ideologie. Prozesse sind klar, Verantwortung nachvollziehbar, Entscheidungen werden getroffen.
Singapur fühlt sich nicht laut an.
Es fühlt sich stimmig an.
Diese Delegationsreise war kein Social-Media-Moment.
Sie war ein guter Abgleich mit der Realität, mit einem leichten Lächeln im Gesicht und ein paar Gedanken, die noch lange geblieben sind.
